Die Weinernte 2019

Weinberg AbendlichtDer Fortschritt der Traubenreife des Jahrgangs 2019 bewegt sich zu diesem Zeitpunkt im Mittel der letzten 30 Jahre, etwas vor dem Jahr 2017, aber deutlich (ca. 12 Tage) hinter dem sehr frühen Jahr 2018. Die gut drei Wochen andauernde, sehr kühle Wetterphase in den beiden ersten Maidekaden, hatte eine zuvor schnellere Entwicklung ausgebremst. Dieser Rückstand konnte während der Sommermonate kaum aufgeholt werden. Unter normalen Temperaturbedingungen im Sommer (Julimittel ca. 20 °C) finden die Reben bereits annähernd optimale Bedingungen für die Entwicklung. Liegt die Temperatur deutlich darüber, hat das keinen weiteren beschleunigenden Effekt mehr, sondern kann im Extremfall sogar abbremsen. Die beiden Hitzewellen Ende Juni und Ende Juli haben, entgegen verbreiteten Einschätzungen, die Vegetation also keinesfalls weiter voran katapultiert. 
Die Grundlagen für die Verfrühung des Reifebeginns um ca. 8 bis 9 Tage in den letzten 30 Jahren verglichen mit den vorherigen 30 Jahren liegen in der Erwärmung im Frühjahr und dem früheren Vegetationsbeginn, nicht in der Erwärmung im Sommer! Gehen die Werte ab ca. Ende August wieder in für die Entwicklung suboptimale Bereiche, hat die Erwärmung wieder einen beschleunigenden Effekt, sodass ein vorhandener Reifevorsprung sich weiter ausbauen kann.
Die Terminierung der Traubenlese ist in diesem Kontext eine große Herausforderung. Beginnt man zu früh, droht Unreife der Trauben und eine vorzeitige „untypische Alterung“ der Weine. Liegt der Lesetermin zu spät, werden die Weine zwar aromareich und gehaltvoll, aber eben auch alkohollastig. 
Reifen die Trauben bei moderaten Temperaturen, ist das Zeitfenster für die optimale Lese eigentlich recht groß. 
Allerdings begünstigt kühle Witterung die Ausbreitung der Kirschessigfliege (KEF) „Drosophila suzukii“. Die Kirschessigfliege ist eine, ursprünglich in China beheimatete Drosophila-Art, die 2008 nach Amerika und 2009 nach Europa eingeschleppt wurde. In Deutschland wurde sie erstmals 2011 gesichtet und hat sich seit dieser Zeit rasend schnell ausgebreitet. Im Weinbau ist der Schädling spätestens 2014 angekommen, als erstmals bundesweit an Beeren- und Steinobst, aber auch im Weinbau, insbesondere bei roten Rebsorten, starke Schäden auftraten. Im Gegensatz zu unserer heimischen Fruchtfliege „Drosophila melanogaster“, die nur vorgeschädigtes und gäriges Obst befällt, besiedelt „Drosophila suzukii“ auch vollreife, intakte Früchte. Dabei ritzt das Weibchen die Beerenhaut an und legt ihre Eier in der Beere ab. Dies ist die Eintrittspforte für Hefen und Bakterien, die die Beeren sehr schnell verderben. Innerhalb weniger Tage kann die komplette Ernte zerstört werden!
Was kann man dagegen tun? Eine der wirksamsten Maßnahmen ist die frühzeitige Entblätterung der Traubenzone: Freigestellte, der Sonneneinstrahlung ausgesetzte Trauben werden zur Eiablage gemieden, bzw. erst sehr viel später als beschattete Trauben angeflogen. Und sind die Fliegen trotzdem im größeren Maße aktiv, muss frühzeitig geerntet werden.
Bereits Ende August stand die Kirschessigfliege in den Startlöchern. Erste Auswertungen im Monitoring zeigten den Befall von roten Früchten (z.B. Brombeere und Holunder) in Heckenstreifen. Nach deren Abreife besiedeln die Fliegen dann aber heranreifende rote Trauben in den benachbarten Weinbergen. Dabei nehmen die Fruchtfliegen zunächst Frühburgunder und Dunkelfelder, später den Portugieser und Saint Laurent ins Visier. Nur die spätreifenden Sorten Spätburgunder und Merlot bleiben in der Regel verschont.
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