Die Weinernte 2021

Große Ernteeinbußen durch lokales Gewitter

Hagel im WeinbergNur wenigen Wetterereignissen liegt so viel Ambivalenz inne wie Gewittern. Auf der einen Seite bringen sie vielen Regionen den sehnlich erwarteten Regen nach langer Trockenheit. Andererseits können Gewitter aber großes Unglück durch Starkregen, Sturm und Hagel zur Folge haben. Am 14. Juli 2021 zogen in einem schier nicht endenden Band Gewitter- und Regenwolken über Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die für viele Menschen in der Region des Ahrtales und darüber hinaus entstandene Katastrophe ist allen in Erinnerung und macht uns, auch auf den nachfolgenden Bericht bezogen, sehr demütig.
Die Gewitter, die am 4. und 5. Juni 2021 über Rhein und Nahe hinwegzogen, waren dagegen gesehen ein Ereignis mit lokaler Bedeutung und meist harmlosen Folgen. An diesem Wochenende fielen zwar nicht unbedeutende Regenmengen von fast 50 Litern pro Quadratmeter. Die Abschwemmungen in den Weinbergen hielten sich aber in Grenzen. Wäre da nicht dieser kurze Hagelsturm am 4. Juni, gegen 17 Uhr gewesen, der ca. 70 % der Fläche des Weinguts Montigny betraf. Die meist schon 20-30 cm langen Rebtriebe boten den vom Wind aufgepeitschten Hagelkörnern eine große Angriffsfläche. Die Hagelkörner trafen die grünen Rebteile wie Geschosse. Blätter zerfetzen und die empfindlichen Triebe erhielten tiefe Wunden. In der Folge knickten die meisten Triebspitzen ab, oft zusammen mit einem, der zwei bis drei bereits entwickelten Gescheine (Trauben vor der Rebblüte).
Hagelschaeden an grünen Trieben der WeinpflanzeWas im ersten Moment noch nicht so dramatisch aussah, wurde dann aber nach wenigen Tagen sichtbar. Vom Hagel getroffene Rebstöcke wachsen für ein bis zwei Wochen nicht wirklich weiter. Die Triebspitze eines „gesunden“ Rebtriebes bildet ein Hormon, das das Wachstum der Geiztriebe, die in den Blattachseln für „Notfälle“ angelegt sind, unterdrückt. Ist diese Triebspitze abgeknickt, fehlt das Hormon und die Geiztriebe schlagen nach einigen Tagen aus und wachsen. Schon optisch von weitem sichtbar ist danach ein eher buschiger als gerader Wuchs der Reben nach oben. Das schafft große Probleme bei den nachfolgenden Laubarbeiten im Weinberg. Beim sogenannten „Heften“ werden die Rebtriebe in das Spalier aus Drähten und Pfählen gebracht, das eine optimale Besonnung der Blätter gewährleistet. Dieser Arbeitsgang konnte nur zeitverzögert und mit überdurchschnittlich großem Aufwand durchgeführt werden.
Die ganz oder teilweise abgeschlagenen Traubenteile machten bei der Lese einen anfangs noch unterschätzten Anteil an einer sehr unterdurchschnittlichen Erntemenge aus. Zusammen mit Knospenausfällen zum Beginn der Vegetation, die von Frost oder Schädlingen verursacht wurden, ist dieser Ausfall auf ca. 30 % gegenüber einer Durchschnittsernte zu beziffern.
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