Die Weinernte 2020

Die Weinernte 2020: Die drei Phasen der Lese

Das Jahr 2020 ist aus meteorologischer Sicht wieder als ein überdurchschnittlich warmes Jahr zu sehen. Die Rebentwicklung lag über die gesamte Vegetationsperiode vor dem langjährigen Mittel. Nachdem auch im August ein Plus von fast 4 Grad Celsius zu Buche schlug, schien ein extrem früher Erntebeginn unausweichlich. Die Frage war eigentlich nur, ob die Ernte des Frühburgunders, wie bereits 2018, noch vor der Jahrgangspräsentation (22./23. August 2020) nötig sein würde.
Und tatsächlich waren diese Trauben Mitte August in ihrer Reife sehr weit fortgeschritten. Selbst bei einem massiven Befall durch die Kirschessigfliege (KEF), hätte eine vorzeitige „Noternte“ schon ein gutes Ergebnis gebracht. Die um die Monatsmitte herrschende Hitze ließ der KEF aber keine Chance. Das Insekt liebt feuchtes, nicht zu warmes Wetter. Ein Befall fand praktisch nicht statt.
Das langsame, aromafördernde Abreifen der Trauben konnte bis zum 7. September abgewartet werden. Aufgrund der weiter herrschenden Trockenheit waren das befürchtete „Abquetschen“ in den kompakten Burgundertrauben und die unweigerlich darauf folgende Fäulnis ausgeblieben. Nach den ersten Lesetagen (des Frühburgunders, für den Montjus und einen Sektgrundwein), sah es nach einem entspannten, ruhigen „Herbstgeschäft“ aus.
Gegen Ende der 37. Kalenderwoche deutete sich aber eine letzte große Hitzewelle an. Und tatsächlich lagen die Tageshöchstwerte in der Woche ab dem 14. September deutlich über 30 Grad Celsius. Diese außergewöhnlichen Bedingungen hatten Folgen: Vorrangig dunkle Trauben, wie Grau- und Spätburgunder, begannen in der Tageshitze einzuschrumpfen. Ein solcher Wasserverlust in den Beeren führt zu einer Aufkonzentrierung der Inhaltsstoffe, allen voran des Zuckers, über ein gewünschtes, positives Maß hinaus. Es begann eine Turboernte, bei der nachts ab 4 Uhr ein Vollernter für die Ernte von weißen Trauben sorgte. Am Morgen, mit dem ersten Licht ab 7 Uhr, begann die Handlese von roten Trauben, bis es ab ca. 11 Uhr unerträglich für die Erntehelfer wurde und die Trauben auch definitiv zu heiß waren. Innerhalb weniger Tage konnten in einer großen Kraftanstrengung alle Grauburgunder- und Saint Laurent-Trauben, bis zum 23. September auch Spät- und Weißburgunder-Trauben in den Keller gebracht werden.
Sehr schnell waren bis zum 25. September alle Sorten abgeerntet – bis auf den Riesling. Der machte seinem Ruf, eine spät reifende Sorte zu sein, alle Ehre. Nur verhalten startete im Weingut Montigny die Riesling-Lese am 30. September. Die ab nun herrschende, ungewöhnlich kühle Witterung machte ein Abwarten möglich. So gingen fast zwei Wochen ins Land, bis am 11. Oktober die letzten, jetzt wunderbar aromatischen und hochreifen Trauben aus dem Karthäuserweinberg eingebracht wurden. Eine Erntesaison ging zu Ende, die in Tempoverlauf und Rhythmus doch sehr ungewöhnlich war.
Back to Top