Der Wein in Zeiten der Corona

Im Weinberg gibt es keinen Shutdown

Wer die, meist sonnigen, letzten Tage für einen Spaziergang in der Natur genutzt hat, der konnte große Veränderungen feststellen. Den hohen Temperaturen in diesem Winter ist ein frühes Erwachen der Pflanzen und Tiere aus der Winterruhe in diesem Jahr geschuldet. Allergiker bemerken schon seit einigen Wochen den Pollenflug der frühblühenden Sträucher. Und jetzt kommt Farbe ins Spiel. Die Forsythien zeigen schon kräftiges Gelb in den Gärten. Auch die ersten heimischen Gehölze bieten den Bienen Nahrung. Das Gebrumme in den Bäumen ist unüberhörbar. Mit den Insekten melden sich auch die Vögel mit ihrem Gezwitschere wieder.
Im Weinberg sind die Winterarbeiten fast abgeschlossen. Die Reben sind zurückgeschnitten und angebunden. Und das ist auch gut so. Denn auch hier zeigt der Trend der letzten Jahre deutlich in Richtung frühere Austriebstermine. Die Knospen (Winteraugen) sind bereits angeschwollen. Dabei werden die vor Kälte schützenden Schuppen von den größer werdenden Augen verdrängt. Die frostempfindliche Zeit beginnt.
Das DLR (Dienstleistungszentrum ländlicher Raum) schreibt dazu: „Der Trend zu wärmeren Wintermonaten setzt sich fort. An der Wetterstation in Bad Kreuznach kommen wir für die meteorologischen Wintermonate Dezember bis Februar auf einen (Durchschnitts-) Wert von 4,7 °C. In dem dreißigjährigen Zeitraum von 1960-1989 lag dieser Wert bei 1,6 °C und von 1990-2019 bei 2,3 °C. Die Werte der bisher wärmsten Winter 2006/07 (5,2 °C) und 2015/16 (5,1 °C) wurden nicht ganz erreicht. Nicht verwunderlich, waren in der Vegetation die ersten Anzeichen des Frühlings schon im Februar zu beobachten. Die derzeitigen Temperaturen sind in etwa jahreszeitgemäß und werden wahrscheinlich in der kommenden Woche auch so bleiben. Das Gespenst des Spätfrostes ist uns aus dem letzten Jahrzehnt gegenwärtig. Zwischen 2011 und 2019 gab es in Dienstbezirk des DLR (Nahe, Mittelrhein, Rheinhessen) in jedem Jahr Frostschäden, 7 x glimpflich und 2 x heftig. Der immer früher werdende Austrieb - ohne Anzeichen, dass auch die letzte gefährliche Nacht sich in ähnlicher Weise verfrüht - droht zu einem der zentralen Probleme des Klimawandels zu werden.“

Das Rad dreht sich also weiter, die Natur macht keine Pause. Für den Winzer stellen sich in den heutigen Krisenzeiten aber schon einige Fragen, die Grund zur Sorge geben. Stand jetzt, sieht es nach einem sehr frühen Erster Austrieb RebstöckeAustriebstermin der Reben aus. Damit beginnt auch die Saison der Sommerarbeiten, das Ausbrechen (überzähliger Rebtriebe) und das Heften (der grünen Triebe ins Spalier). Diese zeitaufwändigen und dazu termingebundenen Stockarbeiten sind eine große Herausforderung für die Winzer, vor allem bei hohen Temperaturen und entsprechend schnellem Rebwachstum. Daraus ergibt sich eine nicht unerhebliche „Arbeitsspitze“, die in vielen Weingütern durch Saisonarbeitskräfte abgefangen wird. Aber werden diese Kräfte im Jahr des COVID-19 Virus auch zur Verfügung stehen? Polnische Hilfskräfte dürfen eventuell gar nicht einreisen. Oder sie müssen bei der Rückkehr in ihr Heimatland eine Quarantäne befürchten. Auf den Gemüse- und Spargelfeldern Deutschlands breitet sich bereits Angst aus.
Da unser Betrieb in den letzten Jahren zwar gewachsen ist, unsere Rebfläche aber nur bescheiden vergrößert wurde, sind wir im Weingut Montigny optimistisch die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Mit derzeit zwei fest angestellten Mitarbeitern sowie einem Fundus an regionalen Helfern und den eigenen Familienarbeitskräften sind wir gut aufgestellt. 
Im berühmten Buch von Gabriel García Márquez, „Die Liebe in Zeiten der Cholera“, dauerte es 50 Jahre bis der Protagonist Florentino seine Liebe wiedererlangte. Wir sind sicher, unser aller Glück kommt früher zurück!
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