Frostbeulen

Die Weinernte 2017: Mit einem blauen Auge davon gekommen!

Nahelandschaft im HerbstNoch nie hat die Lese so früh begonnen (30. August) und noch nie war sie so früh beendet (5. Oktober) wie in 2017. Dem Weinjahr 2017 hat aber ein anderes Extrem den nachhaltigsten Stempel aufgedrückt: Die Frostnacht vom 19. auf den 20. April 2017. Natürlich, schlimmer geht immer! Vielen Weingütern in ganz Deutschland hatte die Frostnacht fast die komplette Ernte vernichtet. Manchen aber auch bei späten Hagelereignissen, noch Anfang September, die Aussichten auf gesunde Trauben zerstört. Und wenn am Ende der Ernte fast die Hälfte der Fässer und Tanks leer geblieben sind, ist eine gewisse Enttäuschung nicht zu vermeiden. Geschätzt 30 % Mengenverlust bescherte dem Weingut Montigny diese eine Nacht im April.

Das Unheil nahm eigentlich schon im vergangenen Jahr seinen Lauf. So nass und verregnet noch das erste Halbjahr 2016 war, so trocken blieb es dann im weiteren Jahresverlauf. Auch der Winter 2016/2017 brachte nicht die üblichen Regenmengen, um die Böden bis in tiefere Bodenschichten wirklich zu durchfeuchten. Die Temperaturen machten zwar in einer kurzen, knackigen Frostperiode Hoffnung auf einen „richtigen“ Winter, der auch Schädlinge wie die Kirschessigfliege reduzieren könnte. Insgesamt blieb der Winter besonders im Februar und März aber einfach zu warm, dabei aber sehr sonnig. Besonders in den Monaten März und April konnte die Sonne die stark abgetrockneten Böden sehr schnell und schon überdurchschnittlich früh erwärmen. Die Bodentemperatur ist einer der entscheidenden Faktoren für den Austriebtermin von Pflanzen. Auch für Kulturpflanzen wie Obstbäume oder Reben ist das der Startschuss für das Ergrünen. So kam es in den begünstigten Weinlagen schon Mitte April zum Austrieb der Knospen in den Weinbergen. Dies bedeutete einen Vegetationsvorsprung von ca. zwei Wochen gegenüber dem langjährigen Mittel seit 1990. Bis Ostern waren oft schon 3-5 Blätter entwickelt. Gegen Frost geschützt sind die Reben aber nur, solange in den Knospen eine wärmende Schicht aus Schuppen und „Wolle“ das Grün der Triebe umgibt. An den trüben, wolkenverhangenen Ostertagen herrschte ein Wetter, bei dem man gerne zu Hause blieb. Die Tagestemperaturen waren auf Werte meist unter 10 Grad Celsius gefallen. Als hätte jemand die schützende Decke weggezogen, riss am Nachmittag des 19. April die Wolkendecke auf. Die im Boden gespeicherte Energie strahlte in der kommenden Nacht ungehindert in die Atmosphäre ab. Die Temperaturen am Boden sackten gegen Morgen des 20. April schnell auf Werte weit unter dem Gefrierpunkt ab. Dabei konnten in Laubenheim Temperaturen bis minus 4 Grad gemessen werden. An anderen Orten sogar Temperaturen bis zu minus 8 Grad. Und das nicht nur in den „Frostlöcher“ genannten Senken und Mulden, oder an den„Hangfüßen“, wohin die schwere, kalte Luft fließt. Dieses Mal war die Luftschicht, in der eisige Temperaturen herrschten, viele Meter stark. So kam es großflächig zu schweren Schäden an den Rebtrieben. Und nicht nur dort. Selbst mehrere Meter hohe Bäume, allen voran Walnüsse, waren „schwarz“ und kahl geworden. Die Obstbauern in weiten Teilen Süddeutschlands erlitten Verluste bis zu Totalschäden durch erfrorene Blüten.

Nach dem Kälteschock des Aprils erholten sich die Reben erst nur langsam. Ab Mitte Mai begann aber eine rasante Aufholjagd, zum Teil waren die „Beiaugen“ genannten Ersatzknospen aus den Winterknospen ausgeschlagen, und die Weinberge ergrünten sichtlich. Eine sehr warme Periode gipfelte in einer frühen Blüte Anfang Juni. Die Bedingungen für die Reben waren in der Phase der Rebblüte sehr günstig. Die Folge war eine extrem hohe „Durchblührate“ der Trauben. Man kann sich das recht einfach so vorstellen: Unterstellt man 100 Einzelblüten pro Traube, so werden davon, sorten- und witterungsabhängig, meist nur etwa 30 bis 60 % befruchtet. Sind die Bedingungen (Temperatur und Feuchtigkeit) aber sehr günstig, steigt diese Rate auf bis zu 70 %. Dazu kommt der anschließende Versuch der Rebe, den frühen Traubenverlust durch den Frost zu kompensieren. Der Beerendurchmesser, die Beerenanzahl und somit das Traubengewicht, sind bei Rebstöcken mit nur wenigen Trauben erhöht. Die Folge ist eine sehr kompakte Traubenstruktur. Gegen Ende der Reife nimmt der Beerendurchmesser noch einmal deutlich zu. Und dann kommt es bei diesen kompakten Trauben sogar zu Abquetschungen durch den Druck, den die Beeren aufeinander ausüben. Zuckerhaltiger Saft tritt nun aus. Bei warmen Bedingungen ist eine Gärung und anschließende Essigbildung in der Traube die Folge. Besonders betroffen sind davon frühreifende rote Rebsorten (Frühburgunder, Dunkelfelder und Saint Laurent) sowie die leicht rötlich verfärbte Grauburgundertraube, die dann auch noch attraktiver für die Kirschessigfliege sind.

Lesehelfer nach der ErnteDie Qualitätsphilosophie des Weinguts Montigny verbietet aber die Verarbeitung unreifer oder geschädigter Trauben. Somit ist ein hoher Selektionsaufwand bei der Ernte nötig, um nur gutes Traubenmaterial in den Keller zu bringen. Gesunde Trauben einzubringen, war die große Herausforderung der Weinlese in diesem Jahr. Zum Glück kann das Weingut Montigny auf eine große Zahl motivierter und erfahrener Erntehelfer zurückgreifen. In der Erntesaison 2017 wurden über 1000 Arbeitsstunden bei der Lese geleistet, um eine Top Traubenqualität zu garantieren. So können Sie sich auch im kommenden Jahr auf die gewohnt hohe Weinqualität freuen!